Montag, 26. November 2018

Textilökologie und Spinnen

Wie bist du eigentlich zum Spinnen gekommen, wurde ich neulich wieder gefragt.


 Ja und das kam so: Es war mal eine Frau in Norddeutschland, bei der ich als Jugendliche mit meinen Eltern zu Besuch war. Sie baute Flachs an und führte mich auf ihrem Feld herum, wo gerade der Flachs zum Verrotten lag, und sie erklärte mir alles vom Flachs bis zum fertigen Leinen. Das meiste in ihrem Bauernhaus war selbstgefertigt, Kleidung, Vorhänge und Teppiche. Ich war fasziniert. Wieder zu Hause, kam ein Päckchen mit ein Paar Handkarden und ein netter Brief von ihr, mit den besten Wünschen für meine textile „ Karriere“ und so hatte ich schon mal ein paar Handkarden. 
   


Kurz darauf war ich zu Besuch auf dem Bauernhof in Bayern, wo wir lange gewohnt hatten und ich sehe dort etwas Felliges vor der Haustür der Bauernfamilie liegen. "Was ist das?" fragte ich den Bauern. "Das ist die geschorene Wolle von einem unserer Schafe." antwortete er. "Und was macht ihr damit?" war meine neugierige Frage. "Na wegwerfen, was soll man sonst schon damit machen!", entgegnete er. "Wie wegwerfen?", fragte ich ungläubig,  "Das könnt ihr doch nicht wegwerfen!" "Da kann man doch bestimmt noch was daraus machen.", Ja wenn du willst, kannst du das Heidschnuckenvlies gerne haben." sagte der Bauer und so kam ich als Jugendliche zu meinem ersten Wollvlies einem Heidschnuckenvlies. Nun hatte ich Handkarden und ein Heidschnuckenvlies.


Aus der Wolle gesponnen auf einfachen Stöckchen entstanden damals u.a. ein runder Wandbehang, gewebt auf  einer alten Fahrradfelge mit eingeflochtenen Weidenstöcken, einfach "gewebt" mit den Fingern und gesponnen auf Stöckchen, ohne weitere Werkzeuge. Diese Wandbehänge zierten dann mein Jugendzimmer, da wo andere damals ihre Star- Fanposter aufgehängt hatten.


Auf Weidenruten gewebt entstand dann, auch noch aus der Heidschnuckenwolle, ein Wandbehang. Mein erstes richtiges Spinnrad kam erst etwas später, nachdem das erste Dekorad, aus Unkenntnis eben nur Deko war.  Wolle und Spinnen all das Begeisterte mich, ließ mich kreativ sein und so ist meine Geschichte eben von der Rohwollrettung zum Spinnen. Die Liebe zur Rohwolle ist mir geblieben. Ich verarbeite am liebsten unbehandelte Rohwolle, direkt vom Schäfer. Bei der Verarbeitung der Rohwolle ist mir wichtig, dass ich dabei keine Chemie z.B. zum Waschen der Wolle verwende und nicht unnötig viel Wasser vergeude. Meine Rohwolle wasche ich inzwischen meist mittels Fermentation, da benötige ich nicht viel Wasser für 3-4 Vliese. Oft spinne ich die Rohwolle auch direkt aus dem fettigen Vlies und wasche sie anschließend.  


Was hat das jetzt alles mit Textilökologie zu tun werdet ihr euch fragen. Hat Spinnen etwas mit Textilökologie zu tun? Und was ist Textilökologie überhaupt? "Die Textilökologie befasst sich mit Wirkungsweisen umwelt - und gesundheitsschädigender Stoffe in Textilien und einem möglichen Verzicht auf derartige Stoffe. Sie beschäftigt sich mit den Rohstoffen und den Möglichkeiten energie-, luft und wasserschonender Herstellungsverfahren." Quelle: Umweltdatenbank. Wenn wir unsere Rohwolle bei regionalen Schäfern holen, sie dann noch, wassersparend, waschen, anschließend an der Luft trocknen, dann verspinnen und evtl. mit Naturfarben färben, dann  verstricken oder verweben, dann ist das für mich ausgesprochen ökologisch.  





Was mich dazu in letzter Zeit auch sehr bewegt hat, war der Bericht "Schafe statt Flugzeug" in der Zeitung. Darin protestiert ein Schäfer auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof mit seiner Schafherde gegen die ständige Verschlechterung der Berufsperspektive Schäfer. Wenn unsere textile Industrie mehr auf Nachhaltigkeit und Wolle aus dem eigenen Land setzen würde, dann könnte sich da was ändern. Da sind wir alle gefragt.



Es gibt immer wieder positive Signale von Firmen, die umdenken, die sollten mehr werden. Doch wir können auch etwas tun! Wir können solche ökologischen regionalen Produkte kaufen und auch den Schäfern gute Preise für ihre Wolle bezahlen. Auch mit Bloggen für nachhaltige und ökologische Nutzung von Schafwolle und der Information darüber können wir ein Zeichen setzten, denke ich, daher blogge ich auch darüber,  und so kann das dann vielleicht eine Anregung für andere sein, das auch zu tun.

Fazit: Für mich ist Garn spinnen von Rohwolle von einheimischen Schafen aus textilökologischer Perspektive in höchstem Maße, Energie- Luft-- und Wassersparend! 

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